Zum Inhalt springen

EinordnungWorum es geht

Am Anfang stehen meist strukturierte Vorlagen: Fragen statt Freitext, Regeln für Klauseln, Varianten für typische Fälle. Darauf bauen Werkzeuge für Verhandlung, Freigabe, elektronische Signatur und Vertragsverwaltung auf.

KI kommt vor allem bei der Prüfung fremder Verträge hinzu: Sie vergleicht Klauseln mit den eigenen Standards und markiert Abweichungen. Entscheiden, ob eine Abweichung tragbar ist, bleibt Aufgabe der Jurist:innen.

Automatisierung verstärkt, was vorhanden ist. Gute, abgestimmte Muster werden schneller und einheitlicher genutzt – eine fehlerhafte Klausel aber auch in jedem einzelnen Vertrag.

Wann es sich lohnt

  • Viele Verträge desselben Typs, etwa Geheimhaltungsvereinbarungen, Lieferanten- oder Arbeitsverträge
  • Fachbereiche, die Verträge anfragen und auf die Rechtsabteilung warten
  • Verträge, deren Fristen und Pflichten nach der Unterschrift niemand mehr im Blick hat

AnwendungsfälleVier Anwendungsfälle entlang des Vertragslebens

  1. Erstellen: Vorlage und Fragebogen

  2. Prüfen: fremde Verträge gegen das eigene Playbook

  3. Abschließen: Freigabe, Form und Signatur

  4. Verwalten: Fristen, Pflichten, Ablage

1 · Standardverträge per Fragebogen erstellen

Ausgangssituation
Fachbereiche fragen immer wieder dieselben Verträge an. Oft wird eine ältere Fassung kopiert und angepasst – mit dem Risiko, überholte Klauseln weiterzutragen.

Wie Technologie unterstützt
Eine Vorlage fragt die nötigen Angaben ab und setzt daraus nach festen Regeln den Vertrag zusammen. Innerhalb freigegebener Grenzen können Fachbereiche Standardverträge selbst erzeugen; nur Abweichungen landen in der Rechtsabteilung.

  • Nutzen: einheitliche Qualität; die Rechtsabteilung konzentriert sich auf die Fälle, die wirklich eine Prüfung brauchen.
  • Voraussetzungen: abgestimmte Musterklauseln, eine verantwortliche Person für die Pflege und ein fester Ablauf, wenn sich Gesetz oder Rechtsprechung ändern.
  • Grenzen: Vorlagen, die für eine Vielzahl von Verträgen vorformuliert sind, sind Allgemeine Geschäftsbedingungen (§ 305 Abs. 1 BGB) und unterliegen der Inhaltskontrolle (§§ 307 ff. BGB). Ein Fehler in der Vorlage vervielfältigt sich.

2 · Fremde Verträge mit KI vorprüfen

Ausgangssituation
Lieferanten und Kund:innen schicken ihre eigenen Vertragsentwürfe. Jede Prüfung beginnt von vorn, obwohl die eigenen Positionen meist feststehen.

Wie Technologie unterstützt
Ein KI-Werkzeug gleicht den Entwurf mit dem eigenen Playbook ab – also mit festgelegten Positionen, Rückfallklauseln und Eskalationsstufen. Es markiert Abweichungen und schlägt Formulierungen vor.

  • Nutzen: eine schnellere Erstprüfung und eine priorisierte Liste der Verhandlungspunkte.
  • Voraussetzungen: ein dokumentiertes Playbook und ein Testlauf mit bereits geprüften Verträgen, bevor das Werkzeug im Alltag eingesetzt wird.
  • Grenzen: Ob eine Abweichung tragbar ist, entscheiden Jurist:innen. Verträge enthalten vertrauliche Informationen der Gegenseite und personenbezogene Daten – nötig sind ein Auftragsverarbeitungsvertrag (Art. 28 DSGVO) und in Kanzleien zusätzlich ein Vertrag nach § 43e BRAO.

3 · Freigabe und Signatur ohne Medienbruch

Ausgangssituation
Der Vertrag ist verhandelt, dann beginnt die Suche nach Unterschriften: Ausdruck, Scan, Versand, Ablage. Wer was freigegeben hat, ist später schwer nachzuvollziehen.

Wie Technologie unterstützt
Ein Freigabe-Ablauf leitet den Vertrag an die zuständigen Personen und schließt mit einer elektronischen Signatur ab. Jede Freigabe wird protokolliert.

  • Nutzen: kürzere Durchlaufzeiten und eine nachvollziehbare Dokumentation.
  • Voraussetzungen: die Formerfordernisse kennen: Die gesetzliche Schriftform lässt sich nur durch die elektronische Form mit qualifizierter elektronischer Signatur ersetzen (§ 126a BGB); für die Textform genügt eine lesbare Erklärung auf einem dauerhaften Datenträger (§ 126b BGB). Die Signaturniveaus regelt die eIDAS-Verordnung.
  • Grenzen: Bei manchen Erklärungen ist die elektronische Form ausgeschlossen, etwa bei der Kündigung eines Arbeitsverhältnisses (§ 623 BGB). Die Prüfung der Form gehört deshalb in jede Vorlage.

4 · Fristen und Pflichten im Vertragsbestand

Ausgangssituation
Verlängerungs- und Kündigungsfristen laufen ab, weil niemand sie im Kalender hatte. Altverträge liegen als PDF in verschiedenen Ordnern.

Wie Technologie unterstützt
Ein zentrales Vertragsregister erfasst Laufzeiten, Fristen und Pflichten. KI kann diese Angaben aus dem Altbestand auslesen; das Register erinnert die Verantwortlichen rechtzeitig.

  • Nutzen: ein Überblick über den Bestand und weniger Überraschungen bei Verlängerungen und Preisanpassungen.
  • Voraussetzungen: digitalisierter Altbestand, Pflichtfelder für neue Verträge und eine verantwortliche Person je Vertrag. Ausgelesene Daten werden stichprobenartig geprüft.
  • Grenzen: Ausleseergebnisse können fehlerhaft sein. Für personenbezogene Daten in Verträgen gelten Aufbewahrungs- und Löschregeln (Speicherbegrenzung, Art. 5 Abs. 1 lit. e DSGVO).

RahmenWas rechtlich gilt

Überblick zur Orientierung, keine Rechtsberatung. Stand: November 2026.
ThemaWas giltFundstelle
Elektronische FormErsetzt die Schriftform nur mit qualifizierter elektronischer Signatur.§ 126 Abs. 3, § 126a BGB
TextformLesbare Erklärung auf einem dauerhaften Datenträger; seit 2025 etwa auch für längerfristige Gewerberaummietverträge maßgeblich.§ 126b BGB; § 578 i. V. m. § 550 BGB
Ausschluss der elektronischen FormZum Beispiel bei der Kündigung eines Arbeitsverhältnisses.§ 623 BGB
SignaturniveausEinfache, fortgeschrittene und qualifizierte elektronische Signatur; europäischer Rahmen.VO (EU) Nr. 910/2014 (eIDAS)
Vorlagen als AGBFür eine Vielzahl von Verträgen vorformulierte Bedingungen unterliegen der Inhaltskontrolle.§§ 305 ff. BGB
DatenschutzWerkzeuge, die Vertragsdaten verarbeiten, brauchen einen Auftragsverarbeitungsvertrag; Daten nur so lange wie nötig speichern.Art. 5, Art. 28 DSGVO
BerufsgeheimnisFür Kanzleien gelten zusätzlich die Anforderungen an Dienstleister.§ 43e BRAO; § 203 StGB
KI-VerordnungDie Vertragsprüfung ist als solche kein Bereich des Anhangs III. Anders kann es aussehen, wenn KI über Arbeitsbedingungen oder Kündigungen mitentscheidet (Anhang III Nr. 4). KI-Kompetenz (Art. 4) gilt in jedem Fall.VO (EU) 2024/1689

Aus dem HubWie andere das gelöst haben

Anwendungsszenario

Vertragsprüfung in der Rechtsabteilung

Ausgangsfrage
Eine Rechtsabteilung prüft viele ähnliche Verträge von Hand und sucht ein Werkzeug, das Standardklauseln vorprüft.
Beitrag des Hub
Der Concierge gleicht den Bedarf mit Anbietern aus dem Netzwerk ab und vermittelt Gespräche mit Rechtsabteilungen, die vergleichbare Projekte umgesetzt haben.
Mögliches Ergebnis
Eine Vorauswahl auf Grundlage von Praxiserfahrungen anderer – bevor Zeit in Ausschreibung und Testphase fließt.
Mehr dazu

Weitere Wege im Hub

  • Roadshows: Praxisberichte aus Kanzleien und Rechtsabteilungen der Region, danach Zeit für Gespräche.
  • Academy: Kurs „Contract Management“ (Selbststudium, 1,5 FAO-Stunden) aus dem bisherigen Programm; das Kursprogramm 2027 folgt.
  • Summit: Anbieter für Vertragswerkzeuge an einem Tag vergleichen – am 3. Dezember 2026 im HCC Hannover.

Kurz beantwortetHäufige Fragen zur Vertragsautomatisierung

Ab wann lohnt sich Vertragsautomatisierung?

Eine feste Schwelle gibt es nicht. Entscheidend ist, ob viele Verträge desselben Typs entstehen und ob abgestimmte Muster vorliegen. Prüfen Sie, ob die Pflege der Vorlagen in einem vernünftigen Verhältnis zur Zahl der Verträge steht – und wer diese Pflege übernimmt.

Reicht eine elektronische Signatur für jeden Vertrag?

Nein. Wo das Gesetz Schriftform verlangt, ersetzt nur die elektronische Form mit qualifizierter elektronischer Signatur die Unterschrift (§ 126a BGB). Für manche Erklärungen ist die elektronische Form ganz ausgeschlossen, etwa für die Kündigung eines Arbeitsverhältnisses (§ 623 BGB). Wo keine Form vorgeschrieben ist oder Textform genügt, reichen einfachere Verfahren.

Darf KI Verträge eigenständig freigeben?

Rechtlich verbietet das keine allgemeine Regel, die Verantwortung bleibt aber bei Ihnen. Üblich ist, dass KI Abweichungen vom eigenen Playbook markiert und Jurist:innen über Abweichungen entscheiden. Wer Verträge vollständig automatisiert freigibt, sollte die Grenzen genau festlegen und Stichproben vorsehen.

Darüber sprechen wir im Hub.

Im Netzwerk treffen Sie Rechtsabteilungen und Anbieter, die Vertragsprozesse bereits umgestellt haben. Schildern Sie uns Ihren Bedarf – wir stellen passende Gesprächspartner:innen vor.